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Ausgabe 69/ July 2025
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Das, was uns unterscheidet steht in keinerlei Verhältnis zu alledem, was uns verbindet.
(aus dem Bericht von Marta Bloch)

Wir grüßen Sie herzlich

mit dem Fazit, das unsere Ehrenamtliche Mitarbeiterin Marta Bloch von dem Besuch bei unserem Partnerhospiz in Oświęcim gezogen hat. Lesen im Anschluss den ganzen Bericht. Wie immer erhalten Sie auch die Einladung zu unserem Forumabend im Juli mit Elizabeth Schmidt-Pabst.
Die Achse des Guten.
Ein Besuch im Denkmal-Hospiz Auschwitz.


Wenn wir unseren Gedanken gestatten, sich nach Auschwitz zu bewegen, werden wir im ersten Moment wenig Anlass haben, Assoziationen des Guten zu erwarten. Und doch. Es gibt sie.
Es beginnt mit einer kleinen Rebellion. Es ist ein regnerischer Tag im Juni 1942, an dem die Dinge einmal nicht so perfekt organisiert ablaufen, wie es das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sonst kennt. Die Häftlinge einer Strafkompanie nutzen einen verworrenen Moment und versuchen zu entkommen. Nur wenigen soll es beschieden sein, diesen schicksalhaften Nachmittag zu überleben. Darunter der knapp zwanzigjährige August Kowalczyk, dem die verzweifelte Flucht mit Hilfe einer Familie aus der Umgebung gelingt.
Im Laufe seines Lebens wächst in August ein Gefühl heran. Eines, das er mit dem Begriff Lebensschuld erfasst. Denn ihm ist klar, die Konsequenzen dieses Aufstands und der gelungenen Flucht werden die im Lager Hinterbliebenen zu tragen haben.
Nicht ohne Hindernisse gelingt es ihm schließlich 2012 gemeinsam mit Helena Wisła, ein lebendiges Denkmal in der Stadt Auschwitz (Oświęcim) zu realisieren.
Ein Gedenkort, der zum einen seine Dankbarkeit ausdrücken soll. Jenen Menschen gegenüber, die unter Einsatz ihres eigenen Lebens ihn und auch andere gerettet oder zumindest den Versuch dazu unternommen haben.
Und zugleich auch ein Gegengewicht zu der Achse des Bösen zu schaffen. So entsteht in dieser leidgeprüften Region ein Ort, an dem fortan Menschen an ihrem Lebensende einen würdevollen Übergang finden können.
Die Achse des Guten. Das Denkmal-Hospiz Auschwitz.
© privat
v.l.n.r.: Krzysztof Wisła, Elizabeth Schmidt-Pabst, Marta Elwira Bloch, Juliane Nguyen, Anette Adam, Helena Wisła und Elżbieta Haase-Nowocień
Im Zuge der Gründung dieses ungewöhnlichen Denkmals wird schließlich auch das Bundesministerium für Gesundheit aktiv und zieht das Lazarus Hospiz in Berlin hinzu. Gemeinsam werden die Inhalte für die Vorbereitung auf ein Ehrenamt in der Sterbebegleitung übersetzt und ersten Gruppen vermittelt. So entsteht eine herzliche Partnerschaft, die seitdem durch gegenseitige Besuche zu gemeinsamen Fachthemen gepflegt wird.
So auch in diesem Jahr, als anlässlich des Jahrestages der eingangs geschilderten Rebellion, das Lazarus Hospiz eine Einladung von Frau Helena Wisła, Mitgründerin und Leiterin des Denkmal-Hospizes, erreicht. Im Rahmen dieses Delegationsbesuches reisen die Hospizleiterin Anette Adam, die Leiterin des ambulanten Hospizdienstes Elizabeth Schmidt-Pabst, die Palliativkrankenschwester und Trauerbegleiterin Juliane Nguyen sowie die Ehrenamtliche Marta Elwira Bloch in Begleitung der Übersetzerin Elżbieta Haase-Nowocień an.
Dieser Besuch ist geprägt von Eindrücken rund um das Denkmal-Hospiz mit seinen Anfängen im Schicksal von August Kowalczyk und den Spuren, die er durch die Aufarbeitung seiner persönlichen Geschichte bis heute noch für viele sichtbar hinterlässt.
Die Besuche in den beiden Gedenkstätten Birkenau und Auschwitz I führten uns bildlich vor Augen welch unfassbares Grauen einst stattgefunden hat …
Die Delegation bekommt außerdem Gelegenheit, in Krakau mit der Wojewodschaftsniederlassung des Nationalen Gesundheitsfonds, dem Kostenträger des Denkmal-Hospizes, über die Rahmenbedingungen der Palliativversorgung in Polen und die strukturellen Bedingungen der Hospizarbeit im Speziellen zu sprechen.
© privat
Desweiteren gibt es ein Treffen mit dem Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland, Holger Mahnicke in Krakau. Er erkundigte sich über die Themen unserer Zusammenarbeit. Hier erfahren die Gästinnen, welche Bedeutung die Erinnerungskultur an das Wirken unter dem Nationalsozialismus gerade in dieser Region auch 80 Jahre nach Kriegsende noch hat.
Und schließlich darf auch ein Besuch im Denkmal-Hospiz nicht fehlen. Ein moderner Bau mit nicht weniger zeitgemäßer Ausstattung steht hier Mitarbeitenden, den Gästinnen und Gästen sowie ihren Zugehörigen zur Verfügung. Ein heller Garten, ein wohnlicher Gemeinschaftsbereich, sie runden die Herzlichkeit dieses Ortes ab.
Trotz der mehr oder weniger deutlichen Unterschiede in strukturellen oder kulturellen Belangen ist man sich einig: Das, was uns unterscheidet steht in keinerlei Verhältnis zu alledem, was uns verbindet. In dieser Arbeit, aber auch weit darüber hinaus.

Marta Bloch
Ehrenamtlich Mitarbeitende Lazarus Hospiz

EINLADUNG

zum LAZARUS HOSPIZ – FORUM

Montag, den 14. Juli 2025 um 18 Uhr im Festsaal

THEMA:
Trauer als Heldenreise –
„Der Käfig, den du dich fürchtest zu betreten,
hortet den Schatz, den du suchst.“

GAST:

Elizabeth Schmidt-Pabst

Leiterin Ambulanter Lazarus Hospizdienst, BSc in Nursing,
Fachkraft Palliative Care und Trauerbegleiterin
Märchen lehren uns als Erfahrungsmuster, dass uns völlig überraschende und herausfordernde Ereignisse widerfahren können, für die erstaunlich kreative Lösungen gefunden werden.
Diese Erfahrungsmuster sind die universellen Themen, wie das Überwinden von Hindernissen und Herausforderungen, die uns ermutigen, in schweren Zeiten weiter zu gehen. Auch die Trauer ist, wie die Geburt und wie der Tod, ein normaler Aspekt im Leben jedes einzelnen Menschen. Trauer ist als solches kein Schicksalsschlag, sondern ein Erfahrungsmuster, welches alle Menschen teilen.
Joseph Campbell erfasste die Elemente dieses universellen Erfahrungsmusters in der von ihm benannten „Heldenreise“. Diese beschreibt den Prozess der Transformation, den jeder Mensch durchlaufen muss, um Held seines eigenen Lebens zu werden, um sein wahres Selbst zu erkennen und Erfüllung zu finden.
Die Anwendung der Heldenreise auf die Trauerarbeit bietet einen Ansatz reich an Bildern und Geschichten, um mit Verlust umzugehen und daraus gestärkt hervorzugehen.
Lazarus Hospiz - Forumabend im August

Der nächste Forumabend findet am 11. August statt. Paul Pomrehn führt sie, mit dem Blick auf die Gründung des Lazarus Standortes über das Gelände und zum nahegelegenen Sophienfriedhof.
Gerne dürfen Sie diesen Newsletter auch an andere Interessierte weiterleiten oder Freundinnen und Freunde ermutigen, sich für den Lazarus Hospiz Newsletter anzumelden, damit die Idee der Hospizarbeit noch weiter in die Welt getragen werden kann.
Wenn Sie keine weiteren Informationen von uns möchten, benutzen Sie bitte den Link weiter unten für die Abmeldung.

Mit herzlichen Grüßen aus dem Lazarus Hospiz

Anette Adam

Leitung Stationäres Lazarus Hospiz

Elizabeth Schmidt-Pabst

Leitung Ambulanter Lazarus Hospizdienst

Bernauer Str. 117
13355 Berlin
Tel: 030 / 46 705 276
Fax: 030 / 46 705 277
E-Mail: lazarushospiz-ambulant@lobetal.de
Web: https://www.lazarushospiz.de

Redaktion: Anette Adam, Elizabeth Schmidt-Pabst, Paul Pomrehn
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